Luigi Russolos teilweise elektrisch betriebene
Geräuschinstrumente für bruitistische Musik,
1913
Der Futurismus wird als avantgardistische Kunstbewegung in Italien geboren. Er revolutioniert die italienische Kunstszene von Literatur, Musik, Bildende Kunst und Architektur. Gegründet wird die Bewegung durch den Schriftsteller Filippo Tommaso Marinetti ( 1876 – 1944) der das erste Futuristische Manifest in Jahr 1909 diktiert und veröffentlicht. In der bildenden Kunst schließen sich viele italienische Maler diesem Manifest von Marinetti an. So unter anderem Umberto Boccioni, Carlo Carra, Gino Severini, Giacomo Balla, Aroldo Bonzagni und Luigio Russolo als bekannte Maler, Antonio Sant´ Ella als Architekt und Francesco Balilla Pratella als Musiker der italienischen Kunstszene.
Obwohl der Futurismus überwiegend in Italien eine bedeutende Kunstrevolution auslöst, beeinflusst er darüberhinaus die Kunstentwicklung in den anderen europäischen Ländern. In Russland bildet der Futurismus seinen eignen Stil heraus und wirkt besonders im Bereich der Literatur. In Deutschland etabliert sich der Futurismus besonders in Berlin. Der bekannteste deutsche Futurist ist Alfred Döblin der sich hauptsächlich der Montagetechnik widmet.
Alfredo Gauro Ambrosi, Gemälde mit dem Titel "Aeroritratto di Mussolini aviatore", Öl auf Leinwand von 1930
Der Kampf der Futuristen
Der Begriff Futurismus stammt von dem italienischen Wort „futuro“ (Zukunft), von lat. futurum (Zukünftiges). Die Futuristen brechen mit allem was sie als veraltetet und als traditionell empfinden. Sie versuchten eine neue "wirkliche" Kunst, wie sie es nennen, zu schaffen, die den Anforderungen des modernen technisierten Lebens gerecht werden soll.
Nach Ansicht der Futuristen soll „Kunst“ dem tatsächlichen Leben entsprechen, anstatt die Vergangenheit widerzuspiegeln. Nachahmung der Vergangenheit, egal ob als Thema oder Motiv, soll vermieden werden, da sie so nicht der eigenen Originalität und der Zeit angemessen entspricht.
Der Futurismus verpönt die alten Schönheitsideale und sucht „seine“ Schönheitsideale in Geschwindigkeit und Dynamik. Damit spiegeln sich die technische Entwicklung und das zunehmend technikverbundene Bewusstsein der zeitgenössischen Gesellschaft wieder. der die neue technische Errungenschaften entspricht. 1910 veröffentlicht der Maler Umberto Boccioni sein Manifest der futuristischen Malerei, das er zusammen mit einigen anderen Künstlern verfasst. Darin fordert er andere junge Künstler auf, gegen die historischen Kunstideale zu rebellieren und für neue Künstlerideale zu kämpfen.
Antonio Sant'Elia: Zentral Bahnhof
mit Flugplatz (Architektur), 1914
Die Liebe der Futuristen
Im selben Jahr, 1910, wird nach Filippo Tommaso Marinetti das zweite Manifest der bildenden Kunst verkündigt. In diesem mehr technischen Manifest der futuristischen Malerei, wird genauer auf die Maltechnik und das Motiv eingegangen. Die traditionellen Motive wie Landschaften, historische Darstellungen und Portraits werden abgelehnt und anstatt diesen stehen jetzt Licht und Bewegung im Zentrum. Das Tempo der Großstadt, der Verkehr, die Massengesellschaft und die Maschinen in vielerlei Arten bilden jetzt das Thema. Autos, Flugzeuge und Züge sind für den Futurismus typische Motive.
Das Erleben des Künstlers und des Dargestellten sind für die Futuristen genauso wichtig wie das Abbild der dargestellten Situation. Was futuristische Bilder von Werken anderer Kunststile unterscheidet sind reine Darstellungen von Bewegungsabl&¨ufen. Geschehnisse werden im Bild festgehalten, indem Bewegungsabläufe dargestellt werden. Formen und Linien fließen in einander und es wird mit Licht experimentiert um Kontinuität darzustellen. Hierfür werden Techniken aus Kubismus und Divisionismus (eine Abspaltung des Pointillismus/Frühimpressionismus) verwendet.
Ausdruck findet die futuristische Kunst in Gemälden, Collagen, Plakaten, Manifesten, Gedichten und dem noch jungen Medium Film.
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