Kurzfassung
Hilma af Klint, Die zehn Größten, Nr. 3 – Jugend, 1907. Leuchtende Farben, Spiralen und organische Zeichen prägen die monumentale Komposition.
Eine Pionierin der abstrakten Kunst
Hilma af Klint gehört zu den außergewöhnlichsten Künstlerinnen der Moderne. Bereits ab 1906 erschafft die schwedische Malerin großformatige Bilder aus leuchtenden Farben, geometrischen Formen, Spiralen, Kreisen und rätselhaften Zeichen. Ihre Werke entstehen mehrere Jahre bevor Künstler wie Wassily Kandinsky, Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch ihre ersten abstrakten Kompositionen entwickeln.
Doch Hilma af Klint versteht ihre Bilder nicht allein als künstlerische Experimente. Sie betrachtet sie als Teil einer umfassenden spirituellen Aufgabe. In ihrer Kunst versucht sie sichtbar zu machen, was sich dem menschlichen Auge entzieht: verborgene Zusammenhänge der Natur, die Entwicklung des Lebens und die Verbindung zwischen der materiellen und einer geistigen Welt.
Öffentlich tritt Hilma af Klint zunächst vor allem mit gegenständlichen Landschaften, Porträts und botanischen Studien in Erscheinung. Mit diesen Arbeiten verdient sie ihren Lebensunterhalt und wird als ausgebildete Künstlerin anerkannt. Ihre neuartigen abstrakten Gemälde zeigt sie dagegen nur wenigen Menschen. Den größten Teil dieses Werkes hält sie über Jahrzehnte hinweg verborgen.
Als Hilma af Klint 1944 stirbt, hinterlässt sie mehr als 1.000 Gemälde und Arbeiten auf Papier sowie über 120 Notizbücher. Darin dokumentiert sie ausführlich ihre Bilder, Gedanken und spirituellen Erfahrungen. Erst viele Jahre nach ihrem Tod wird die Bedeutung dieses ungewöhnlichen Lebenswerks allmählich erkannt.
Heute wird Hilma af Klint weltweit als eine Pionierin der abstrakten Kunst gefeiert. Ihre späte Wiederentdeckung verändert unseren Blick auf die Entstehung der Moderne – und wirft die spannende Frage auf, wie viele künstlerische Geschichten noch darauf warten, neu erzählt zu werden.

