Hilma af Klint, „Parsifal-Serie, Nr. 1“, 1916. Die konzentrischen Kreise verwandeln die geistige Suche in eine Reise nach innen – zu einem kaum sichtbaren hellen Mittelpunkt.
Hilma af Klint creator QS:P170,Q436267, Hilma af Klint - 1916 - No 1 From The Parsifal Series, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Mit der Vollendung der „Gemälde für den Tempel“ endet 1915 zwar Hilma af Klints größter Auftrag, nicht aber ihre künstlerische und spirituelle Suche. Die Künstlerin beginnt nun, die empfangenen Botschaften und die Bedeutung ihrer eigenen Bilder zu untersuchen. Sie ordnet, kommentiert und verkleinert ihre Werke, verfasst Tausende Seiten mit Gedanken und entwickelt neue Bildserien.
Gleichzeitig sucht sie nach einem Ort und einem Publikum, das ihren Bildern mit der von ihr gewünschten Offenheit begegnen könnte. Hilma af Klint versteckt ihre spirituelle Kunst nicht vollkommen. Sie zeigt ausgewählte Arbeiten und verkleinerte Abbildungen in theosophischen und anthroposophischen Kreisen. Ihre Versuche, dort dauerhafte Unterstützung zu finden, bleiben jedoch weitgehend erfolglos.
Als sie 1944 stirbt, hinterlässt sie einen sorgfältig geordneten, aber öffentlich kaum bekannten Nachlass. Erst Jahrzehnte später wird sichtbar, welche Bedeutung ihre Kunst für die Geschichte der abstrakten Malerei besitzt.
Der Versuch, das eigene Werk zu verstehen
Nach fast zehn Jahren intensiver Arbeit an den Tempelbildern steht Hilma af Klint vor einer ungewöhnlichen Aufgabe. Sie hat einen gewaltigen Bilderzyklus vollendet, dessen Formen und Botschaften sie nach eigener Aussage nicht immer vollständig versteht.
Ihre Tätigkeit verändert sich deshalb. Während sie sich bei den frühen Tempelbildern häufig als Empfängerin einer geistigen Führung erlebt hat, tritt nun ihre eigene Deutung stärker in den Vordergrund. Sie versucht, die bereits entstandenen Bilder zu entschlüsseln und in größere Zusammenhänge einzuordnen.
Die Reise des Parsifal
1916 malt Hilma af Klint die Serie „Parsifal“. Sie besteht aus 144 kleinformatigen Arbeiten. Der Titel erinnert an die mittelalterliche Gralslegende, in der Parsifal auf der Suche nach Erkenntnis und dem Heiligen Gral zahlreiche Prüfungen bestehen muss.
Auch Hilma af Klints Bildfolge beschreibt eine Reise. Eine der ersten Darstellungen zeigt einen Weg, der sich durch die Dunkelheit zu einem hellen Punkt im Zentrum einer Spirale bewegt. Andere Bilder enthalten geometrische Formen, Samen, einzelne Wörter oder große einfarbige Flächen.
Die Suche nach Erkenntnis wird dabei zu einer Bewegung durch unterschiedliche Bewusstseinszustände. Richtungsangaben wie „vorwärts“, „rückwärts“, „nach innen“ oder „nach außen“ lassen erkennen, dass es nicht um eine gewöhnliche Reise durch einen äußeren Raum geht. Die Bewegung führt in das Innere des Menschen.
Die Parsifal-Serie kann damit auch als Spiegel von Hilma af Klints eigener Situation verstanden werden. Nach der Vollendung des Tempelzyklus sucht sie einen Weg durch das von ihr geschaffene Werk. Sie möchte nicht nur Bilder übermitteln, sondern ihre Bedeutung zunehmend selbst erfassen.
Das Unsichtbare im Kleinsten
Ein Jahr später entsteht die Serie „Das Atom“. Die moderne Naturwissenschaft hat inzwischen Vorstellungen von Materie entwickelt, die weit über das hinausgehen, was sich mit dem bloßen Auge erkennen lässt. Für Hilma af Klint bestätigt die Erforschung der Atome, dass die sichtbare Wirklichkeit nur einen Teil der Welt ausmacht.
In ihren Bildern stellt sie das Atom zugleich auf einer körperlichen und einer geistigen Ebene dar. Viele Blätter zeigen zwei Formen: Eine größere steht für das physische Atom, eine kleinere für seine geistige oder ätherische Entsprechung.
Hilma af Klint verbindet naturwissenschaftliche Erkenntnisse mit ihrer spirituellen Weltsicht. Das Atom ist für sie kein lebloser Baustein. Es besitzt eine eigene Energie und ist wie der Mensch mit einem größeren kosmischen Zusammenhang verbunden.
Die Serie verdeutlicht, dass ihre Kunst nicht allein aus Séancen und religiösen Vorstellungen hervorgeht. Naturbeobachtung, Mathematik und die wissenschaftlichen Entdeckungen ihrer Zeit bleiben ebenso wichtige Bestandteile ihres Denkens.
Ein blau gebundenes Notizbuch erinnert symbolisch an Hilma af Klints „Blaue Bücher“. In den historischen Originalen dokumentierte sie ihre Tempelbilder mit Fotografien und sorgfältig ausgeführten Aquarellkopien.
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Ein Atelier für das Lebenswerk
Bereits 1913 hat Hilma af Klint das Haus Furuheim auf der Insel Munsö im Mälarsee erworben. Ab 1916 entsteht dort ein eigenes Ateliergebäude. Ein Teil der Finanzierung kommt aus ihrem weiblichen Freundeskreis, besonders von Anna Cassel.
1917 ist das Atelier fertiggestellt. Zum ersten Mal besitzt Hilma af Klint einen Raum, in dem sie die verschiedenen Gruppen der „Gemälde für den Tempel“ gemeinsam betrachten und ordnen kann. Die Bilder sind für gewöhnliche Wohnungen zu groß und lassen sich nur schwer transportieren. Auf Munsö erhalten sie vorläufig einen geschützten Ort.
1918 zieht Hilma af Klint zusammen mit ihrer Mutter und deren Pflegerin Thomasine Andersson nach Furuheim. Thomasine wird für die kommenden Jahrzehnte zu einer engen Freundin und Weggefährtin der Künstlerin.
Die blauen Bücher als tragbares Museum
Um ihren großen Zyklus auch außerhalb des Ateliers zeigen zu können, beginnt Hilma af Klint mit der Anlage der sogenannten blauen Bücher. Es entstehen zehn in blaues Leinen gebundene Bände, die eine verkleinerte Übersicht über die „Gemälde für den Tempel“ enthalten.
Auf jeder Doppelseite befindet sich eine Schwarz-Weiß-Fotografie eines Gemäldes. Daneben malt Hilma af Klint eine farbige Aquarellminiatur, die einen Eindruck von der Wirkung des Originals vermitteln soll. Teilweise ergänzt sie vergrößerte Details, um einzelne Formen genauer sichtbar zu machen.
Die Bilder erscheinen in derselben Reihenfolge wie die Gruppen und Serien des Tempelzyklus. Dadurch werden die blauen Bücher zu einer Art tragbarem Museum. Hilma af Klint kann mit ihnen reisen und ihr Werk zeigen, ohne die teilweise monumentalen Originale bewegen zu müssen.
Die Bücher widerlegen zugleich die Vorstellung, sie habe ihre abstrakte Kunst einfach eingeschlossen und vor jedem Betrachter geheim gehalten. Sie sucht durchaus nach Menschen, die ihre Bilder verstehen und ausstellen könnten. Allerdings wendet sie sich vor allem an ausgewählte spirituelle und anthroposophische Kreise.
Mehr als zweitausend Seiten über das Seelenleben
Parallel zur bildnerischen Arbeit versucht Hilma af Klint, ihre Gedanken sprachlich festzuhalten. 1917 diktiert sie Anna Ljungberg eine umfangreiche Abhandlung über das Seelenleben. In der späteren maschinenschriftlichen Fassung umfasst der Text mehr als zweitausend Seiten.
Das Verhältnis zwischen Bild und Schrift wird in diesen Jahren immer wichtiger. Hilma af Klint nummeriert ihre Arbeiten, erstellt Übersichten und notiert mögliche Bedeutungen von Farben, Buchstaben und Zeichen. Trotzdem entsteht kein vollständig eindeutiges Wörterbuch ihrer Bildsprache.
Ein Symbol kann je nach Zusammenhang unterschiedliche Bedeutungen annehmen. Ihre Aufzeichnungen lösen deshalb nicht jedes Rätsel. Sie zeigen vielmehr, mit welcher Ausdauer Hilma af Klint versucht, ihre Erfahrungen zu untersuchen und für andere nachvollziehbar zu machen.
Hilma af Klint, „Birke“, 1922, aus der Serie „Über das Betrachten von Blumen und Bäumen“. In den weich ineinanderfließenden Farben erscheint die Natur nicht als äußere Form, sondern als leuchtende innere Kraft.
Hilma af Klint creator QS:P170,Q436267, Hilma af Klint - 1922 - Birch, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Anthroposophie und ein neuer künstlerischer Weg
1920 stirbt Hilma af Klints Mutter. Die Künstlerin ist nun 57 Jahre alt und von einer Aufgabe entbunden, die ihr Leben über viele Jahre bestimmt hat.
Gemeinsam mit Thomasine Andersson reist sie im Herbst nach Dornach in der Schweiz. Dort befindet sich mit dem Goetheanum das Zentrum der von Rudolf Steiner begründeten Anthroposophie. Hilma af Klint wird Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft und hält sich während der 1920er Jahre immer wieder für längere Zeit in Dornach auf.
Bis 1930 unternehmen sie und Thomasine insgesamt neun Reisen dorthin. Hilma af Klint besucht Vorträge, studiert Steiners Schriften und zeigt ihm bei einer ihrer Begegnungen die blauen Bücher mit den verkleinerten Tempelbildern.
Vom geometrischen Bild zum fließenden Aquarell
Nach ihrem ersten Aufenthalt in Dornach unterbricht Hilma af Klint ihre Malerei für mehr als ein Jahr. Anschließend verändert sie ihre Arbeitsweise noch einmal grundlegend.
Die klar abgegrenzten Kreise, Dreiecke und symmetrischen Ordnungen ihrer früheren Bilder treten in den Hintergrund. Von 1922 an arbeitet sie fast ausschließlich mit Aquarellfarben und bevorzugt die Nass-in-Nass-Technik. Dabei fließen die Farben ineinander und lassen Formen entstehen, die sich weniger streng kontrollieren lassen.
Hilma af Klint versucht nun, das Motiv aus der Farbe selbst hervorgehen zu lassen. Die Bilder wirken weicher und beweglicher als die geometrischen Tempelbilder. Häufig wendet sie sich wieder Pflanzen und anderen Naturerscheinungen zu.
In der Serie „Beim Betrachten von Blumen und Bäumen“ sucht sie nicht nur nach dem äußeren Aussehen einer Pflanze. Sie möchte deren geistiges Wesen in Farbe erfassen. Ihre frühe Liebe zur Botanik kehrt damit in veränderter Form zurück.
Zwischen 1922 und 1941 entstehen mehr als 400 solcher Aquarelle. Hilma af Klint ist inzwischen über 60 Jahre alt, bleibt aber bereit, ihre vertraute Arbeitsweise aufzugeben und künstlerisch noch einmal neu anzufangen.
Blumen, Moose und Flechten
Gemeinsam mit Thomasine Andersson arbeitet Hilma af Klint außerdem an einer systematischen Untersuchung von Blumen, Moosen und Flechten. Zu den Pflanzen notiert sie nicht nur Namen und sichtbare Merkmale, sondern auch Eigenschaften wie Bescheidenheit, Hingabe oder Freude.
Naturwissenschaftliche Beobachtung und spirituelle Deutung stehen erneut nebeneinander. Für Hilma af Klint besitzt jede Pflanze eine sichtbare Gestalt und zugleich ein inneres Wesen. Wer aufmerksam beobachtet, kann nach ihrer Vorstellung einen Zugang zu beiden Seiten gewinnen.
1927 übergibt sie diese Studien und die Reihe „Der Baum der Erkenntnis“ dem Goetheanum. Im folgenden Jahr reist sie nach London. Dort werden ihre „Altarbilder“ auf einer von der englischen Anthroposophischen Gesellschaft veranstalteten Weltkonferenz für Geisteswissenschaft gezeigt.
Ihre spirituelle Kunst bleibt somit nicht vollständig ungesehen. Sie erreicht jedoch nur ein kleines, bereits mit ähnlichen Vorstellungen vertrautes Publikum. Eine Anerkennung durch die allgemeine Kunstwelt bleibt aus.
Hilma af Klint, Selbstbildnis, ohne gesicherte Datierung. Ihr abstraktes Lebenswerk blieb zu ihren Lebzeiten weitgehend verborgen – im Vertrauen darauf, dass eine spätere Zeit seine Bedeutung erkennen würde.
Hilma af Klint creator QS:P170,Q436267, Hilma af Klint - Self-portrait, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons
Ein Werk für eine spätere Zeit
Hilma af Klint beschäftigt weiterhin die Frage, wo die „Gemälde für den Tempel“ eines Tages gezeigt werden könnten. 1931 notiert sie die Idee eines Tempelgebäudes auf der Insel Ven im Öresund. In ihren Entwürfen erscheint ein aufsteigender, teilweise spiralförmig gedachter Bau, durch den sich die Besucher entlang der Bildserien bewegen könnten.
Dieser Tempel wird nie gebaut. Die Vorstellung zeigt jedoch, dass Hilma af Klint ihre Werke nicht als beliebig aufzuhängende Einzelbilder betrachtet. Die räumliche Anordnung und die Reihenfolge der Serien gehören für sie zur Bedeutung des Gesamtwerks.
Sie sucht bis ins hohe Alter nach einer passenden Gemeinschaft, der sie ihre Bilder anvertrauen könnte. 1937 hält sie einen Vortrag vor der Anthroposophischen Gesellschaft in Stockholm. Darin verteidigt sie ihre mediumistische Arbeitsweise und bittet darum, ihre Gemälde zu nutzen.
1938 zeigt sie ihrem Neffen Erik af Klint die Werke auf Munsö und erläutert ihm ihre Bedeutung. Damit bereitet sie ihn auf die Verantwortung vor, die später auf ihn zukommen wird.
Der Wunsch nach zwanzig Jahren Wartezeit
1932 versieht Hilma af Klint verschiedene Notizbücher und auch die blauen Bücher mit einem „X“. Dieses Zeichen bedeutet, dass sie erst zwanzig Jahre nach ihrem Tod geöffnet beziehungsweise einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen.
Lange wurde behauptet, Hilma af Klint habe diese Anweisung in ihrem Testament festgehalten und ihr gesamtes abstraktes Werk ausdrücklich für zwanzig Jahre sperren lassen. Nach heutigem Forschungsstand ist diese Darstellung zu einfach. Der Wunsch findet sich in ihren Notizbüchern, nicht in ihrem Testament.
Auch wollte sie ihre Bilder offenbar nicht grundsätzlich vor allen Menschen verbergen. Sie zeigte ausgewählte Arbeiten, reiste mit den blauen Büchern und suchte nach geeigneten Ausstellungsorten. Entscheidend war für sie vielmehr der richtige Zusammenhang. Sie fürchtete, dass ihre Bilder rein äußerlich betrachtet oder als ungewöhnliche Dekoration missverstanden werden könnten.
Die zwanzig Jahre erscheinen daher weniger als Verbot denn als Hoffnung. Hilma af Klint vertraut darauf, dass eine spätere Zeit besser auf die geistigen und künstlerischen Fragen ihrer Bilder vorbereitet sein könnte.
Abschiede und letzte Jahre
In den 1930er Jahren lebt Hilma af Klint gemeinsam mit Thomasine zunächst in Helsingborg und später in Lund. Zwei der wichtigsten Menschen ihres Lebens sterben in kurzer Folge: 1937 verliert sie ihre langjährige Freundin Anna Cassel, 1940 stirbt Thomasine Andersson.
1943 lehnt Hilma af Klint das Angebot der Künstlerin Tyra Kleen ab, die Tempelbilder in einem Gebäude der protestantischen Sigtunastiftung unterzubringen. Sie möchte das Werk nicht Menschen übergeben, die ihrer Ansicht nach keinen ausreichenden Bezug zur Anthroposophie besitzen. Selbst im hohen Alter ist ihr ein passender geistiger Rahmen wichtiger als eine schnelle öffentliche Präsentation.
Im August 1944 zieht sie zu ihrer Cousine Hedvig af Klint nach Ösby in Djursholm bei Stockholm. Am 21. Oktober stirbt Hilma af Klint an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Nur wenige Tage fehlen zu ihrem 82. Geburtstag.
Im selben Jahr sterben auch Wassily Kandinsky, Piet Mondrian und Edvard Munch. Anders als diese international bekannten Künstler hinterlässt Hilma af Klint jedoch ein Werk, das der allgemeinen Kunstwelt noch nahezu unbekannt ist.
Ihr Neffe Erik af Klint erbt rund 1.300 Gemälde, 124 Notizbücher und mehr als 26.000 hand- und maschinenschriftliche Seiten. Er verkauft die Bilder nicht, sondern hält den umfangreichen Nachlass zusammen.
Ausstellungsansicht von „Hilma af Klint: Paintings for the Future“ im New Yorker Guggenheim Museum, 2018. Jahrzehnte nach dem Tod der Künstlerin erreichten ihre lange verborgenen Gemälde ein internationales Publikum.
Ryan Dickey from Evanston, IL / Chicago, United States, Hilma af Klint - exhibition view at Guggenheim, CC BY 2.0
Die späte Wiederentdeckung
1972 wird die Hilma-af-Klint-Stiftung gegründet. Ihre Aufgabe besteht darin, den Nachlass zu erhalten, wissenschaftlich zu erschließen und langfristig einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Doch erst 1986 erreichen Hilma af Klints abstrakte Bilder ein größeres internationales Publikum. In der Ausstellung „The Spiritual in Art: Abstract Painting 1890–1985“ im Los Angeles County Museum of Art werden ihre Werke gemeinsam mit anderen abstrakten Künstlerinnen und Künstlern gezeigt, deren Kunst von spirituellen Vorstellungen beeinflusst ist.
Weitere Ausstellungen folgen. 1989 präsentiert das Moderna Museet in Stockholm Hilma af Klint als „okkulte Malerin und abstrakte Pionierin“. 1999 wird der vollständige Zyklus der 193 „Gemälde für den Tempel“ erstmals gemeinsam in der Stockholmer Liljevalchs Konsthall gezeigt.
Den entscheidenden internationalen Durchbruch bringt eine große Retrospektive des Moderna Museet im Jahr 2013. Die Ausstellung reist durch mehrere europäische Länder und wird von mehr als einer Million Menschen besucht.
2018 eröffnet schließlich im New Yorker Guggenheim Museum die Ausstellung „Hilma af Klint: Paintings for the Future“. Die spiralförmige Architektur des Museums wirkt dabei beinahe wie eine späte Antwort auf Hilma af Klints eigene Vorstellung eines Tempels für ihre Bilder. Die Schau erreicht ein Rekordpublikum und macht die Künstlerin weltweit bekannt.
Mehr als 70 Jahre nach ihrem Tod ist die Zukunft eingetreten, für die Hilma af Klint ihre Bilder bewahren wollte. Ihr Werk erweitert nicht nur die Geschichte der abstrakten Kunst. Es zeigt auch, dass die Moderne nicht allein in den bekannten Zentren der Avantgarde und nicht ausschließlich durch die bislang berühmten männlichen Künstler entstand.




