Eine Frauengestalt mit französischer Trikolore führt bewaffnete Aufständische über eine Barrikade, Gemälde von Eugène Delacroix aus dem Jahr 1830.
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Eugène Delacroix, „Die Freiheit führt das Volk“, 1830, Öl auf Leinwand, Musée du Louvre, Paris. Die Verbindung aus zeitgenössischem Barrikadenkampf, Allegorie und bewegter Malerei macht das Werk zu einer Ikone der politischen Romantik.

Das Jahrzehnt beginnt mit dem griechischen Aufstand gegen das Osmanische Reich und endet mit der Julirevolution in Frankreich. Freiheitsbewegungen, politische Unterdrückung und nationale Hoffnungen bestimmen die öffentliche Debatte. Künstler greifen diese Ereignisse auf und machen die eigene Gegenwart zum Gegenstand monumentaler Gemälde. National Gallery of Greece, Histoire par l’image.

Eugène Delacroix entwickelt sich zum bedeutendsten Vertreter der französischen Romantik. Farbe, Bewegung und starke Gefühle werden bei ihm wichtiger als die klare Ordnung des Klassizismus. John Constable und Caspar David Friedrich eröffnen gleichzeitig neue Möglichkeiten der Landschaftsmalerei: Der eine beobachtet Wetter und ländliche Natur, der andere verwandelt Eis, Meer und Gebirge in Sinnbilder menschlicher Gefährdung. Musée du Louvre, National Gallery, Hamburger Kunsthalle.

Auch die Bedingungen, unter denen Kunst entsteht und wahrgenommen wird, verändern sich. In London und Berlin öffnen öffentliche Museen, Eisenbahnen beschleunigen das Reisen und Nicéphore Niépce gelingt die älteste erhaltene Kamerafotografie. Neben Malerei, Skulptur und Druckgrafik kündigt sich damit ein völlig neues Bildmedium an. National Gallery, Staatliche Museen zu Berlin, Harry Ransom Center.

Freiheitsbewegungen, Landschaften und eine wiederentdeckte Vergangenheit

1821 – Griechenland und die englische Landschaft

Im Frühjahr beginnt der griechische Aufstand gegen die osmanische Herrschaft. In vielen Teilen Europas entsteht eine Welle der Begeisterung für den griechischen Freiheitskampf. Künstler und Schriftsteller verbinden das zeitgenössische Griechenland mit der bewunderten Kultur der Antike. University of Michigan Library.

Diese Bewegung wird als Philhellenismus bezeichnet. Sie prägt Literatur, Malerei, Architektur und die öffentliche Wahrnehmung des Krieges. Besonders Delacroix wird in den folgenden Jahren mehrere Werke schaffen, die auf das Leiden und den Widerstand der griechischen Bevölkerung reagieren. National Gallery of Greece.

In England zeigt John Constable erstmals „Der Heuwagen“. Das großformatige Gemälde schildert eine ländliche Szene am Fluss Stour. Ein Wagen durchquert das flache Wasser, während sich hinter ihm ein Bauernhaus, Wiesen und ein bewegter Wolkenhimmel erstrecken. National Gallery.

Constable erhebt eine unspektakuläre Landschaft seiner Heimat zum würdigen Gegenstand eines monumentalen Gemäldes. Seine genaue Beobachtung von Licht, Wetter und Atmosphäre unterscheidet sich von der idealisierten Landschaftstradition. Zugleich erscheint das Landleben friedlicher, als es für viele Landarbeiter dieser Zeit tatsächlich ist. National Gallery.

Am 5. Mai stirbt Napoleon auf St. Helena. Sein Tod beendet zwar sein persönliches Leben, nicht jedoch seine Wirkung. In Gemälden, Druckgrafiken und volkstümlichen Bildern beginnt sich der historische Herrscher zunehmend in eine politische Legende zu verwandeln. Fondation Napoléon.

1822 – Die Hieroglyphen werden lesbar

Am 27. September stellt Jean-François Champollion in Paris seine entscheidenden Erkenntnisse zur Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen vor. Eine wichtige Grundlage bildet der Rosetta-Stein, dessen Inschrift denselben Text in Hieroglyphen, demotischer Schrift und Altgriechisch wiedergibt. British Museum.

Dadurch werden Jahrtausende ägyptischer Geschichte wieder zugänglich. Tempelinschriften, Grabtexte und Skulpturen können nun genauer gedeutet werden. Die Entzifferung verstärkt die europäische Begeisterung für Ägypten und beeinflusst Architektur, Kunsthandwerk, Mode und Museumssammlungen. Metropolitan Museum of Art.

Im Pariser Salon zeigt der 24-jährige Eugène Delacroix „Dante und Vergil in der Hölle“, auch „Die Dantebarke“ genannt. Dante und Vergil fahren über den sumpfigen Fluss Styx, während sich Verdammte an ihr Boot klammern. Musée du Louvre.

Das Bild verbindet einen literarischen Stoff mit dramatischen Bewegungen, kräftigen Farben und angespannten Körpern. Die staatlichen Museen kaufen das Gemälde noch während der Ausstellung. Für Delacroix beginnt damit eine Karriere, in der er zum wichtigsten Gegenspieler des klassizistischen Kunstideals wird. Musée du Louvre.

Charles Babbage stellt im selben Jahr das Konzept seiner Differenzmaschine vor. Die mechanische Rechenmaschine soll mathematische Tabellen automatisch berechnen und ausdrucken. Das vollständige Gerät wird zwar nie gebaut, doch die Idee einer Maschine, die Informationen selbsttätig verarbeitet, weist weit in die Zukunft. Science Museum.

1823 – Das Eis verschlingt alle Hoffnung

Frankreich greift militärisch in Spanien ein und hilft König Ferdinand VII., seine absolutistische Herrschaft wiederherzustellen. Liberale Reformen werden zurückgenommen und politische Gegner verfolgt. Für Goya, der den Krieg, die Inquisition und die Willkür der Herrschenden immer kritischer betrachtet, wird die Lage zunehmend bedrückend. 1824 verlässt er Spanien und lebt anschließend überwiegend in Bordeaux. Office of the Historian, Metropolitan Museum of Art.

Caspar David Friedrich beginnt 1823 mit seinem Gemälde „Das Eismeer“, das er 1824 vollendet. Gewaltige, scharfkantige Eisschollen haben sich übereinandergeschoben. Zwischen ihnen sind nur noch Teile eines gescheiterten Schiffes zu erkennen. Hamburger Kunsthalle.

Der Mensch ist vollständig aus dem Bild verschwunden. Allein die Überreste des Schiffes erinnern an seinen Versuch, die Natur zu bezwingen. Friedrich zeigt keine malerische Winterlandschaft, sondern eine Welt, in der menschliche Hoffnung und technische Zuversicht an ihre Grenzen geraten. Hamburger Kunsthalle.

In Berlin beginnt unterdessen der Bau des von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Königlichen Museums, des heutigen Alten Museums. Die königlichen Sammlungen sollen nicht länger ausschließlich dem Hof vorbehalten sein. Kunst wird zunehmend als öffentliches Bildungs- und Kulturgut verstanden. Staatliche Museen zu Berlin.

1824 – Ein Salon verändert die europäische Kunst

Der Pariser Salon von 1824 wird zu einem Schlüsselereignis. Delacroix zeigt „Das Massaker von Chios“, ein monumentales Gemälde über die Ermordung und Verschleppung griechischer Zivilisten durch osmanische Truppen. Musée du Louvre.

Das Bild besitzt keinen siegreichen Helden und keinen befreienden Mittelpunkt. Verwundete, erschöpfte und verzweifelte Menschen füllen den Vordergrund. Delacroix zeigt den griechischen Freiheitskampf aus der Perspektive seiner Opfer und verbindet politische Anteilnahme mit einer betont farbigen, bewegten Malerei. Musée du Louvre, National Gallery of Greece.

Auch Constables „Der Heuwagen“ ist im Salon zu sehen und sorgt in Paris für großes Aufsehen. Der französische König Karl X. zeichnet Constable mit einer Goldmedaille aus. Seine lebendige Behandlung von Himmel, Licht und Landschaft beeindruckt zahlreiche französische Künstler. National Gallery.

Jean-Auguste-Dominique Ingres präsentiert dagegen „Das Gelübde Ludwigs XIII.“. Das streng aufgebaute religiöse Historienbild bringt ihm nach langen Jahren in Italien die offizielle Anerkennung in Frankreich. Der Salon macht damit zwei unterschiedliche Kunstvorstellungen sichtbar: die klassizistische Vorrangstellung von Linie und klarer Form sowie die romantische Betonung von Farbe, Bewegung und Gefühl. Musée du Louvre, Metropolitan Museum of Art.

Am 10. Mai öffnet in London die National Gallery. Ihre zunächst nur 38 Gemälde stammen aus der Sammlung des Bankiers John Julius Angerstein und werden vorerst in dessen früherem Wohnhaus gezeigt. Erstmals besitzt Großbritannien eine staatlich finanzierte Gemäldesammlung, die der Bildung und Betrachtung durch die Öffentlichkeit dienen soll. National Gallery.

Im selben Jahr stirbt Théodore Géricault im Alter von nur 32 Jahren. Mit dem „Floß der Medusa“ hatte er gezeigt, dass ein aktuelles politisches Versagen zum Gegenstand großer Kunst werden kann. Delacroix führt diesen Weg weiter. Metropolitan Museum of Art.

Neue Wege zwischen Technik, Öffentlichkeit und politischer Kunst

1825 – Die Eisenbahn verändert Raum und Zeit

Am 27. September eröffnet die Stockton and Darlington Railway. Eine Dampflokomotive zieht neben Güterwagen auch Wagen mit Fahrgästen über die Strecke. Damit beginnt das Zeitalter des öffentlichen Eisenbahnverkehrs. Science Museum Group.

Die neue Geschwindigkeit verändert allmählich die Wahrnehmung von Entfernungen, Landschaft und Bewegung. Künstler können leichter reisen, Ausstellungen erreichen ein größeres Publikum und Kunstwerke lassen sich schneller transportieren. Später wird die Eisenbahn selbst zu einem wichtigen Motiv der modernen Kunst. National Railway Museum.

In Brüssel stirbt Jacques-Louis David. Sein Lebensweg verbindet die Französische Revolution, Napoleons Kaisertum, die Rückkehr der Bourbonen und das politische Exil. Mit seinem Tod endet die Epoche jener monumentalen klassizistischen Historienmalerei, gegen die sich die jüngere romantische Generation zunehmend behauptet. Metropolitan Museum of Art.

1826 – Griechenland wird zur trauernden Gestalt

Nach der Einnahme der griechischen Stadt Missolonghi malt Delacroix „Griechenland auf den Ruinen von Missolonghi“. Eine Frau in griechischer Kleidung breitet über den Trümmern die Arme aus. Sie ist keine bestimmte historische Person, sondern die Verkörperung des leidenden Griechenlands. Musée des Beaux-Arts de Bordeaux.

Hinter ihr ragt ein bewaffneter osmanischer Kämpfer empor. Unter den Steinen ist die Hand eines Toten zu erkennen. Delacroix verbindet eine aktuelle militärische Niederlage mit der traditionellen Form der Allegorie. Das Gemälde wird in einer Pariser Ausstellung zugunsten des griechischen Freiheitskampfes gezeigt. Musée des Beaux-Arts de Bordeaux.

Um 1826 oder 1827 gelingt Nicéphore Niépce auf seinem Landsitz Le Gras eine dauerhaft erhaltene Aufnahme mit der Camera obscura. Eine mit lichtempfindlichem Bitumen beschichtete Metallplatte zeichnet über eine sehr lange Belichtungszeit den Blick aus seinem Fenster auf. Harry Ransom Center.

Das unscheinbare Bild ist ein Wendepunkt. Sichtbare Wirklichkeit kann nun erstmals durch Licht, Chemie und ein optisches Gerät dauerhaft festgehalten werden. Noch handelt es sich um ein einzelnes Experiment, doch die Fotografie beginnt, die bisherige Sonderstellung von Malerei und Zeichnung infrage zu stellen. Harry Ransom Center.

1827 – Delacroix steigert die romantische Dramatik

Im Oktober besiegen britische, französische und russische Flotten in der Schlacht von Navarino die osmanisch-ägyptische Flotte. Der Ausgang der Schlacht wird zu einem entscheidenden Schritt auf dem Weg zur griechischen Unabhängigkeit. Die europäische Anteilnahme am Freiheitskampf erreicht einen neuen Höhepunkt. Royal Museums Greenwich.

Delacroix malt im zweiten Halbjahr „Der Tod des Sardanapal“. Der assyrische Herrscher liegt auf einem erhöhten Bett und beobachtet, wie Menschen, Tiere und seine kostbaren Besitztümer vernichtet werden, bevor sein Palast in die Hände der Feinde fällt. Musée du Louvre.

Statt einer klar gegliederten Handlung zeigt Delacroix ein Gewirr aus Körpern, Stoffen, Schmuck, Waffen und kräftigen Farben. Schönheit und Gewalt lassen sich kaum voneinander trennen. Das Bild verweigert dem Betrachter einen ruhigen Standpunkt und wird zu einem der radikalsten Werke der französischen Romantik. Metropolitan Museum of Art.

1828 – Goyas langer Abschied

Im Frühjahr wird „Der Tod des Sardanapal“ im Pariser Salon öffentlich gezeigt. Viele Kritiker reagieren ablehnend auf die unübersichtliche Komposition und die drastische Gewalt. Delacroix kann das Gemälde nicht verkaufen und bewahrt es jahrzehntelang in seinem Atelier auf. Musée du Louvre.

Im April stirbt Francisco de Goya in Bordeaux. Seine späten Jahre waren von Taubheit, politischer Enttäuschung und der Erfahrung menschlicher Gewalt geprägt. Dennoch arbeitet er bis zuletzt weiter und experimentiert mit Zeichnung, Druckgrafik und Lithografie. Museo del Prado, Metropolitan Museum of Art.

Goyas „Schwarze Gemälde“ und die noch unveröffentlichte Folge „Die Schrecken des Krieges“ entziehen sich der traditionellen Vorstellung von Schönheit. Ihre düsteren, oft rätselhaften Bilder werden für spätere Künstler zu wichtigen Vorläufern des Expressionismus und der modernen Auseinandersetzung mit Krieg und Angst. Museo del Prado, Metropolitan Museum of Art.

In London wird Dante Gabriel Rossetti geboren. Gemeinsam mit John Everett Millais und William Holman Hunt wird er 1848 die Präraffaelitische Bruderschaft gründen und die britische Kunst des viktorianischen Zeitalters nachhaltig verändern. Tate.

1829 – Fotografie und Eisenbahn bereiten die Zukunft vor

Niépce schließt eine formelle Partnerschaft mit Louis Daguerre, dem Betreiber des erfolgreichen Pariser Dioramas. Gemeinsam wollen sie das fotografische Verfahren verbessern und für eine praktische Nutzung weiterentwickeln. Harry Ransom Center.

Nach Niépces Tod wird Daguerre die Versuche fortführen. 1839 stellt er die Daguerreotypie öffentlich vor. Die Zusammenarbeit von 1829 bildet damit eine entscheidende Verbindung zwischen Niépces ersten dauerhaften Bildern und dem späteren Durchbruch der Fotografie. Harry Ransom Center.

In England gewinnt Robert Stephensons Lokomotive „Rocket“ die Rainhill Trials. Bei diesem Wettbewerb soll entschieden werden, welche Antriebstechnik auf der geplanten Bahnstrecke zwischen Liverpool und Manchester eingesetzt wird. Die „Rocket“ überzeugt durch Geschwindigkeit und technische Zuverlässigkeit. Science Museum Group.

Das Ereignis steht beispielhaft für die rasante Entwicklung der industriellen Welt. Bewegung, Geschwindigkeit und technische Konstruktionen werden bald auch die Wahrnehmung und die Bildthemen der Künstler verändern. National Railway Museum.

1830 – Die Revolution wird zum Bild

König Karl X. versucht im Juli, die Pressefreiheit und die Rechte des französischen Parlaments weiter einzuschränken. In Paris kommt es daraufhin vom 27. bis zum 29. Juli zu Barrikadenkämpfen. Nach den „Drei Glorreichen Tagen“ muss Karl X. abdanken; Louis-Philippe wird zum sogenannten Bürgerkönig. Histoire par l’image.

Eugène Delacroix nimmt nicht selbst an den Kämpfen teil, beginnt jedoch kurze Zeit später mit „Die Freiheit führt das Volk“. Im Dezember 1830 ist das Gemälde vollendet. Erst im Salon von 1831 wird es öffentlich gezeigt. Musée du Louvre.

Eine Frau mit phrygischer Mütze und französischer Trikolore führt die Aufständischen über eine Barrikade. Sie ist zugleich eine körperlich anwesende Kämpferin und die allegorische Verkörperung der Freiheit. Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Herkunft folgen ihr durch Rauch, Trümmer und Tote. Histoire par l’image, Musée du Louvre.

Delacroix verbindet ein aktuelles politisches Ereignis mit den Mitteln des monumentalen Historienbildes. Die Szene ist keine nüchterne Dokumentation der Straßenkämpfe. Sie verdichtet die Revolution zu einem Bild von Aufbruch, Opferbereitschaft und gemeinsamer Bewegung. Musée du Louvre.

In Berlin öffnet das von Schinkel entworfene Königliche Museum, das heutige Alte Museum. Seine breite Freitreppe und die offene Säulenfront laden die Besucher sichtbar ein. Kunst soll nicht mehr nur für Herrscher gesammelt, sondern öffentlich betrachtet, verglichen und studiert werden. Staatliche Museen zu Berlin.

Auch die Eisenbahn erreicht eine neue Stufe. Die Strecke zwischen Liverpool und Manchester nimmt ihren Betrieb auf und verbindet erstmals zwei große Städte durch regelmäßigen, dampfbetriebenen Personenverkehr. Die industrielle Moderne wird nun für immer mehr Menschen unmittelbar erfahrbar. National Railway Museum.

Im selben Jahr wird Camille Pissarro geboren. Vier Jahrzehnte später wird er zu einer zentralen Persönlichkeit des Impressionismus gehören – jener Kunstrichtung, die das moderne Sehen erneut grundlegend verändert. Ashmolean Museum.

Was sich bis 1830 verändert hat

Zu Beginn des Jahrzehnts richtet sich die romantische Kunst auf Natur, Literatur und nationale Freiheitsbewegungen. Bis 1830 wird die eigene politische Gegenwart zu einem ihrer wichtigsten Themen. Delacroix zeigt nicht nur historische Ereignisse, sondern formt aus ihnen emotional wirksame Bilder. National Gallery of Greece, Musée du Louvre.

Die traditionelle Historienmalerei verliert dabei ihre feste Ordnung. Farbe, Atmosphäre und Bewegung können wichtiger werden als eine klar lesbare Handlung. Delacroix’ Werke führen von den leidenden Menschen auf Chios über das chaotische Ende Sardanapals bis zur vorwärtsstürmenden Freiheit der Julirevolution. Musée du Louvre.

Constable und Friedrich verändern zugleich die Landschaftsmalerei. Bei Constable wird die genaue Beobachtung von Wetter und heimischer Natur entscheidend. Friedrich verwandelt die Landschaft in ein Bild existenzieller Erfahrung, in dem der Mensch angesichts von Eis und Naturgewalt beinahe verschwindet. National Gallery, Hamburger Kunsthalle.

Mit der National Gallery und dem Alten Museum entstehen neue öffentliche Orte der Kunst. Museen werden zu Institutionen, die sammeln, ordnen und festlegen, welche Werke als kulturell bedeutend gelten. National Gallery, Staatliche Museen zu Berlin.

Niépces Heliografie kündigt schließlich ein neues Verhältnis zur Wirklichkeit an. Zum ersten Mal kann ein Bild durch Licht dauerhaft auf einer Fläche entstehen. Noch befindet sich die Fotografie im Stadium des Experiments, doch die Geschichte der Bilder hat damit bereits eine neue Richtung eingeschlagen. Harry Ransom Center.

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