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Edvard Munch, „Der Schrei“, 1893, Tempera und Fettstift auf Pappe, 91 × 73,5 cm, Nasjonalmuseet, Oslo. Die schwingenden Linien und unnatürlichen Farben verwandeln eine Landschaft in ein Sinnbild existenzieller Angst und führen vom Symbolismus zum Expressionismus.
Die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts sind kein ruhiger Ausklang. Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft verändern sich in rasantem Tempo. Während technische Erfindungen Entfernungen überwinden und bislang Unsichtbares sichtbar machen, beschäftigen sich Künstler zunehmend mit Ängsten, Träumen und seelischen Erfahrungen.
Edvard Munch verwandelt die menschliche Angst in ein Sinnbild, Paul Gauguin entwirft farbintensive Bildwelten zwischen Beobachtung und Fantasie. In München, Wien und Berlin gründen Künstler eigene Secessionen, um sich aus der Abhängigkeit von Akademien, Jurys und etablierten Ausstellungsbetrieben zu lösen. Die Moderne erhält dadurch nicht nur eine neue Bildsprache, sondern auch neue Orte und Organisationsformen. Secession
Gleichzeitig beginnt das Zeitalter der bewegten Bilder. Röntgenstrahlen durchdringen den menschlichen Körper, die Erforschung der Radioaktivität erweitert das Wissen über die Materie und auf der Pariser Weltausstellung präsentiert sich die technisch geprägte Großstadt als Bühne eines neuen Jahrhunderts. Institut Lumière, BIE
Bilder der Sehnsucht und der Angst
1891 – Gauguin reist nach Tahiti
Im April 1891 bricht Paul Gauguin zu seiner ersten Reise nach Tahiti auf. Er hofft, dort Spuren eines ursprünglichen Lebens zu finden, das er in Europa verloren glaubt. Seine Gemälde sind jedoch keine dokumentarischen Darstellungen der polynesischen Kultur. Beobachtete Motive, örtliche Überlieferungen, religiöse Vorstellungen und europäische Fantasien verbinden sich zu bewusst komponierten Bildwelten.
Das 1892 entstandene Gemälde Arearea zeigt exemplarisch, wie Gauguin Wirklichkeit und Erfindung miteinander verschränkt. Flächig eingesetzte Farben ersetzen die naturgetreue Modellierung, während eine im Hintergrund dargestellte religiöse Zeremonie weitgehend seiner Vorstellung entspringt. Damit entwickelt Gauguin eine Bildsprache, die den Symbolismus prägt und später auch Expressionisten und Fauves beeinflusst. Musée d’Orsay
Im selben Jahr erhält Auguste Rodin den Auftrag für ein Denkmal zu Ehren des Schriftstellers Honoré de Balzac. Die Arbeit wird ihn mehrere Jahre beschäftigen und schließlich zu einer der folgenreichsten Auseinandersetzungen um die moderne Bildhauerei führen. Am 2. April wird außerdem der spätere Dadaist und Surrealist Max Ernst geboren. Musée Rodin
1892 – Munchs Berliner Skandal und die Münchener Secession
Der Verein Berliner Künstler lädt Edvard Munch zu einer großen Einzelausstellung nach Berlin ein. Kurz nach der Eröffnung im November entbrennt ein heftiger Streit. Konservative Mitglieder empfinden seine offenen Pinselspuren, die vereinfachten Formen und die psychologisch aufgeladenen Motive als unfertig und provozierend. Nach einer Abstimmung wird die Ausstellung vorzeitig geschlossen.
Für Munch wird der Skandal zum Wendepunkt. Die öffentliche Auseinandersetzung macht ihn weit über Norwegen hinaus bekannt, und die geschlossene Ausstellung geht anschließend erfolgreich auf Reisen. Sie zeigt zugleich, wie weit sich die neue Kunst bereits von den Erwartungen des akademischen Ausstellungsbetriebs entfernt hat. MUNCH
In München gründen fortschrittlich gesinnte Künstler am 4. April die Münchener Secession. Sie wollen ihre Werke unabhängig von den konservativen Auswahlverfahren der etablierten Institutionen zeigen. Die Vereinigung vertritt keinen einheitlichen Stil: Impressionistische Malerei, Symbolismus und erste Formen des Jugendstils finden nebeneinander Platz. Damit wird sie zum Vorbild für weitere Secessionen in Wien und Berlin. Lenbachhaus
Munch malt in diesem Jahr Verzweiflung. Landschaft, Farbigkeit und Figurenanordnung weisen bereits auf sein berühmtestes Motiv voraus. Noch steht auf der Brücke ein eindeutig erkennbarer Mann – erst in der folgenden Fassung verwandelt Munch ihn in jene kaum bestimmbare Gestalt, die zum Sinnbild existenzieller Angst wird. Nasjonalmuseet
1893 – „Der Schrei“ wird zum Bild der Angst
1893 malt Edvard Munch die heute im Nasjonalmuseet in Oslo aufbewahrte Fassung von Der Schrei. Eine frontal zum Betrachter gerichtete Gestalt hält sich die Hände an den Kopf. Himmel, Fjord und Landschaft folgen keinen ruhigen natürlichen Formen mehr, sondern scheinen in roten, gelben und blauen Wellen zu schwingen.
Munch bildet Angst nicht lediglich im Gesicht einer Figur ab. Er überträgt sie auf den gesamten Bildraum: Farbe, Linie, Perspektive und Landschaft drücken denselben seelischen Zustand aus. Gerade diese enge Verbindung von Form und Empfindung macht Der Schrei zu einem Schlüsselwerk zwischen Symbolismus und Expressionismus. Eine ausführlichere Betrachtung bietet die Bildinterpretation zu „Der Schrei“. Nasjonalmuseet
Auch die Gesellschaft wird von neuen Formen der Vereinheitlichung und Teilhabe geprägt. Am 1. April führt das Deutsche Reich die Mitteleuropäische Zeit als einheitliche gesetzliche Zeit ein. Vor allem die Eisenbahn benötigt verlässliche Fahrpläne, die nicht mehr von örtlich unterschiedlichen Sonnenzeiten abhängen. In Neuseeland erhalten Frauen im September das aktive Wahlrecht für Parlamentswahlen – als erstes selbstverwaltetes Land der Welt. Am 20. April wird in Barcelona der spätere Maler Joan Miró geboren. PTB, New Zealand History
1894 – Die Dreyfus-Affäre und Debussys neue Klangwelt
Ende 1894 wird der jüdische französische Hauptmann Alfred Dreyfus beschuldigt, militärische Geheimnisse an Deutschland weitergegeben zu haben. Ein Militärgericht verurteilt ihn wegen Landesverrats zu lebenslanger Verbannung. Antisemitische Vorurteile, manipulierte Beweismittel und die Weigerung führender Militärs, entlastende Erkenntnisse anzuerkennen, machen den Fall zu einer Staatsaffäre.
Die Auseinandersetzung spaltet Frankreich über Jahre hinweg. Sie betrifft nicht nur die Schuld eines einzelnen Offiziers, sondern grundlegende Fragen nach Recht, Republik, Pressefreiheit und Antisemitismus. Künstler, Schriftsteller und Intellektuelle beziehen öffentlich Stellung. mahJ
Am 22. Dezember wird Claude Debussys Prélude à l’après-midi d’un faune in Paris erstmals konzertant aufgeführt. Angeregt von Stéphane Mallarmés Gedicht, löst Debussy die Musik aus vertrauten harmonischen Ordnungen. Flöten, Harfen, Hörner und Streicher erzeugen eine schwebende Klangwelt, in der Traum und Wirklichkeit ineinander übergehen. Das Publikum reagiert so begeistert, dass das Werk wiederholt werden muss. Boston Symphony Orchestra
Bewegte Bilder und unsichtbare Strahlen
1895 – Das Kino beginnt und Röntgen macht den Körper sichtbar
Am 28. Dezember veranstalten Auguste und Louis Lumière im Pariser Grand Café eine öffentliche Filmvorführung gegen Eintritt. Vor 33 Zuschauern werden zehn kurze Filme gezeigt. Erstmals können fotografisch aufgezeichnete Bewegungen von einem zahlenden Publikum gemeinsam auf einer Leinwand erlebt werden.
Bewegte Bilder hat es in unterschiedlichen technischen Formen bereits zuvor gegeben. Der Cinématographe der Brüder Lumière vereint jedoch Aufnahme, Kopie und Projektion in einem vergleichsweise handlichen Gerät. Innerhalb weniger Monate schicken die Lumières Kameraleute in zahlreiche Länder. Aus einer technischen Erfindung entwickelt sich ein neues Massenmedium und schließlich eine eigenständige Kunstform. Institut Lumière
Im November entdeckt Wilhelm Conrad Röntgen eine Strahlung, die feste Materialien und menschliches Gewebe unterschiedlich stark durchdringt. Auf den ersten Röntgenaufnahmen erscheinen Knochen und Metallgegenstände im Inneren des Körpers. Damit wird sichtbar, was dem menschlichen Auge bislang verborgen geblieben war – eine Erfahrung, die auch den zeitgenössischen Begriff des Bildes verändert. Nobel Prize
Am 15. Januar kommt am Mariinski-Theater in Sankt Petersburg die von Marius Petipa und Lew Iwanow geschaffene Neufassung von Tschaikowskys Schwanensee auf die Bühne. Das Ballett war bereits 1877 in Moskau uraufgeführt worden; die Petersburger Inszenierung von 1895 wird jedoch zur Grundlage zahlreicher späterer Fassungen. Mariinsky Theatre
In Calais wird außerdem Auguste Rodins Denkmal Die Bürger von Calais eingeweiht. Statt einen einzelnen siegreichen Helden zu zeigen, stellt Rodin sechs Männer mit unterschiedlichen Gesten und Gefühlszuständen dar. Zweifel, Angst und Entschlossenheit werden zu einem vielstimmigen Denkmal menschlichen Handelns. Am 20. Juli wird der spätere Bauhaus-Künstler László Moholy-Nagy geboren. Musée Rodin
1896 – Radioaktivität, Jugendstil und ein Skelett im Atelier
Henri Becquerel stellt fest, dass Uranverbindungen fotografische Platten schwärzen können, ohne zuvor dem Sonnenlicht ausgesetzt gewesen zu sein. Er hat damit eine natürliche Strahlung entdeckt, die später als Radioaktivität bezeichnet wird. Die Vorstellung, Materie sei fest, stabil und vollständig bekannt, beginnt ins Wanken zu geraten. Nobel Prize
In München erscheint erstmals die illustrierte Zeitschrift Jugend. Von ihrem Namen leitet sich im deutschen Sprachraum bald die Bezeichnung Jugendstil ab. Die internationale Bewegung erfasst Malerei, Grafik, Architektur, Möbel, Schmuck und Gebrauchsgegenstände. Geschwungene Pflanzenformen, rhythmische Linien und flächige Ornamente sollen Kunst und Alltag miteinander verbinden. V&A
Lovis Corinth malt sein Selbstbildnis mit Skelett. Der Künstler steht selbstbewusst vor der Staffelei, unmittelbar neben einem im Atelier aufgehängten Skelett. Das traditionelle Motiv der Vergänglichkeit erscheint hier weder religiös verklärt noch theatralisch inszeniert. Leben, künstlerische Arbeit und Tod stehen nüchtern nebeneinander. Lenbachhaus
1897 – Die Wiener Secession und Gauguins große Lebensfrage
In Wien verlässt eine Gruppe um Gustav Klimt das konservative Künstlerhaus und gründet die Wiener Secession. Klimt wird ihr erster Präsident; zu den weiteren Gründungsmitgliedern gehören Kolo Moser, Carl Moll, Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich.
Die Künstler wollen neue internationale Strömungen nach Wien bringen und zeitgenössische Kunst unabhängig von akademischen Vorgaben ausstellen. Malerei, Architektur, Grafik und Kunsthandwerk sollen nicht mehr streng voneinander getrennt sein. Die Secession wird dadurch zu einem Zentrum der Wiener Moderne. Secession
Während seines zweiten Aufenthalts in Tahiti malt Gauguin Vairumati. Zugleich beginnt er mit seinem monumentalen Gemälde Woher kommen wir? Was sind wir? Wohin gehen wir?, das 1897 und 1898 entsteht. Die große Leinwand verbindet verschiedene Lebensalter, symbolische Figuren und rätselhafte Handlungen zu einer bildlichen Meditation über Geburt, Leben und Tod. Musée d’Orsay, Museum of Fine Arts Boston
Secessionen, Seelenräume und die Weltstadt Paris
1898 – Künstler schaffen sich eigene Räume
Am 13. Januar veröffentlicht Émile Zola in der Zeitung L’Aurore seinen offenen Brief J’accuse…! Darin wirft er Militär und Justiz vor, Alfred Dreyfus wider besseres Wissen verurteilt und die tatsächlichen Zusammenhänge vertuscht zu haben. Mit der öffentlich verbreiteten Anklage wird die Presse selbst zu einer politischen Macht. mahJ
In Wien vollendet Joseph Maria Olbrich das Ausstellungsgebäude der Secession. Der kompakte weiße Bau mit seiner vergoldeten Blätterkuppel wirkt wie ein gebautes Manifest. Über dem Eingang steht der programmatische Satz: „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.“ Das Gebäude bietet den Künstlern einen eigenen Raum, dessen Architektur auf wechselnde Ausstellungen ausgerichtet ist. Secession
Auch in Berlin schließen sich 65 Künstler zur Berliner Secession zusammen. Max Liebermann wird ihr erster Präsident. Die Vereinigung wendet sich gegen die akademisch geprägte Ausstellungspolitik und öffnet Berlin stärker für Impressionismus, Symbolismus und internationale moderne Kunst. Berlinische Galerie
Marie und Pierre Curie weisen in diesem Jahr zwei bislang unbekannte chemische Elemente nach: Polonium und Radium. Ihre Forschungen vertiefen das Verständnis der von Becquerel beobachteten Strahlung und verändern langfristig Physik, Medizin und das Bild von der Materie. Musée Curie
Auguste Rodin präsentiert unterdessen sein Denkmal für Honoré de Balzac. Statt den Schriftsteller wirklichkeitsnah und in einer repräsentativen Haltung darzustellen, zeigt er eine mächtige, nahezu blockhafte Gestalt im weiten Mantel. Der Auftraggeber lehnt das Denkmal ab, doch gerade seine expressive Geschlossenheit macht es zu einem Schlüsselwerk der modernen Skulptur. Am 21. November wird der spätere Surrealist René Magritte geboren. Musée Rodin
1899 – Freud deutet die Träume
Am Übergang zum Jahr 1900 erscheint Sigmund Freuds Die Traumdeutung. Die Erstausgabe trägt die Jahreszahl 1900. Freud beschreibt den Traum nicht als bedeutungsloses nächtliches Geschehen, sondern als psychischen Vorgang, in dem Wünsche, Erinnerungen und verdrängte Konflikte in veränderter Form sichtbar werden.
Seine Vorstellung eines ständig wirkenden Unbewussten verändert langfristig das Verständnis des Menschen. Sie entspricht zugleich dem wachsenden Interesse der Zeit an Traum, Erinnerung, Sexualität und verborgenen seelischen Kräften – Themen, die auch Symbolismus und frühe expressionistische Kunst beschäftigen. Freud Museum London
Edvard Munch beginnt 1899 mit Der Tanz des Lebens und vollendet das Gemälde im folgenden Jahr. Eine in Rot gekleidete Frau tanzt mit einem dunkel gekleideten Mann; flankiert wird das Paar von einer jungen Frau in Weiß und einer älteren Gestalt in Schwarz. Liebe, Lebensalter, Einsamkeit und Tod verbinden sich zu einer symbolischen Folge. Das Bild wird zu einem zentralen Bestandteil von Munchs Lebensfries. Nasjonalmuseet
1900 – Paris zeigt die moderne Welt
Vom 15. April bis zum 12. November findet in Paris die Weltausstellung statt. Auf einer Fläche von 120 Hektar präsentieren Staaten, Unternehmen und Künstler ihre Vorstellungen von Fortschritt und moderner Zivilisation. Knapp 50,9 Millionen Besuche werden registriert.
Grand Palais, Petit Palais und Pont Alexandre III prägen das Stadtbild über die Ausstellung hinaus. Während der Weltausstellung nimmt außerdem die erste Linie der Pariser Métro ihren Betrieb auf. Elektrisches Licht, Maschinen, Verkehrsmittel, Architektur und Kunst verbinden sich zu einem gewaltigen Bild der modernen Großstadt. BIE
Auguste Rodin richtet parallel zur Weltausstellung im Pavillon de l’Alma eine umfangreiche eigene Schau ein. Dort zeigt er erstmals auch das große Gipsmodell der Höllenpforte. Die selbst organisierte Retrospektive unterstreicht seine internationale Anerkennung und zugleich die wachsende Unabhängigkeit moderner Künstler vom offiziellen Ausstellungsbetrieb. Musée Rodin
Der neunzehnjährige Pablo Picasso reist im Oktober erstmals nach Paris. Sein Gemälde Letzte Augenblicke wird im spanischen Bereich der Weltausstellung gezeigt. Während seines kurzen Aufenthalts begegnet er den Werken von Toulouse-Lautrec, Van Gogh und anderen Vertretern der französischen Moderne. Die Eindrücke der Großstadt verändern seine Malerei unmittelbar. Museu Picasso Barcelona
In Wien wird Gustav Klimts Fakultätsbild Philosophie öffentlich präsentiert und löst heftige Auseinandersetzungen aus. Statt Wissen und Wissenschaft in einer verständlichen Allegorie zu feiern, zeigt Klimt einen rätselhaften Strom menschlicher Körper. Die Kritik an dem Bild macht deutlich, wie grundsätzlich sich die Vorstellungen von moderner Kunst und öffentlicher Repräsentation inzwischen voneinander entfernt haben. Gustav Klimt Database
Auch der Zugang zur Bildung erweitert sich. Das Großherzogtum Baden erlaubt Frauen als erster deutscher Bundesstaat die reguläre Einschreibung an Universitäten. Im Sommersemester nehmen in Heidelberg die ersten vier Studentinnen ihr Studium auf. Universität Heidelberg
Was sich bis 1900 verändert hat
Am Ende des 19. Jahrhunderts bildet Kunst nicht mehr nur die sichtbare Welt ab. Munch macht Angst zum eigentlichen Gegenstand eines Gemäldes, Gauguin verwendet Farbe als Träger von Vorstellung und Symbolik, und Klimt löst die traditionelle Allegorie in eine vieldeutige Bildwelt auf.
Die Secessionen schaffen unabhängige Ausstellungen und eigene Gebäude. Sie verändern damit nicht nur die Kunst, sondern auch die Bedingungen, unter denen Kunst gezeigt und wahrgenommen wird. Jugendstil und Art Nouveau greifen zugleich in Architektur, Gestaltung und Alltagskultur ein.
Film, Röntgenstrahlen und Radioaktivität erweitern die Grenzen des Sichtbaren. Bilder können sich nun bewegen, in den menschlichen Körper eindringen oder Vorgänge andeuten, die dem bloßen Auge verborgen bleiben. Die Pariser Weltausstellung führt diese Entwicklungen noch einmal zusammen – während der junge Picasso bereits den Weg in die Kunst des 20. Jahrhunderts einschlägt.
